Rescue Horizon Europe

Foto: IST Austria

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste des Wissenschaftsballs!

Die Rolle der Grundlagenforschung ist immens. Ohne Grundlagenforschung gibt es keine Entwicklung von Energiealternativen und Covid-Impfungen zur Bekämpfung des Klimawandels und der Corona-Pandemie.

Die derzeit geplante Kürzung des Budgets des EU-Forschungsprogramms „Horizon Europe“ von 36 Milliarden Euro ist nicht nur kurzsichtig, sondern fahrlässig.  Mit der Kampagne “Rescue Horizon Europe” soll das Ruder  in der EU Kommission, im EU Parlament und im Europäischen Rat (in dem die österreichische Bundesregierung Sitz und Stimme hat) in letzter Minute herumgerissen werden.

Wir unterstützen – so wie mit heutigem Stand 1400 ForscherInnen in ganz Europa, darunter 8 NobelpreisträgerInnen, und die Dachverbände von rund 800 Unis – diese Kampagne und ersuchen Sie dies mit Ihrer Unterschrift auch zu tun: http://www.rescue-horizon-europe.org

Übrigens: Ohne Grundlagenforschung auch kein Wissenschaftsball. So einfach ist das.

Vertiefende Inhalte finden sich in diesem Brief, den die beiden InitiatorInnen der Kampagne, Antonia Weberling (U Cambridge) und Nathalie Conrad (KU Leuven),  gestern (26.11.2020) an Bundeskanzler Kurz und Wissenschaftsminister Faßmann übermittelt haben.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz,
Sehr geehrter Herr Minister Faßmann,

Mein Name ist Antonia Weberling, ich promoviere an der Universität Cambridge im Bereich früher Embryonalentwicklung von Maus und Mensch.

Zusammen mit Dr. Nathalie Conrad, KU Leuven, leite ich die “Rescue Horizon Europe” Kampagne, mit der wir versuchen, das Budget von Horizon Europe, das am 10. November um 36 Milliarden Euro gekürzt beschlossen wurde, wieder nach oben zu korrigieren und ein ehrgeiziges Budget für Wissenschaftsförderung festzulegen.

http://www.rescue-horizon-europe.org/

Wir werden von über 1400 Wissenschaftlern aus ganz Europa, einschließlich 8 Nobelpreisträgern, diversen Universitäten einschließlich der Universität Wien, die TU Wien, der Universität Klagenfurt, der Paris Lodron Universität Salzburg und dem Institute of Science and Technology Austria, und wissenschaftlichen Dachverbänden, die für insgesamt über 800 Universitäten in Europa sprechen, sowie 99 MdEPs unterstützt.

Nachdem Horizon2020, das die letzten 7 Jahre die Grundlagenforschung Europas finanziert hat, bereits unterfinanziert war, werden die nun beschlossenen Kürzungen des Horizon Europe Budgets katastrophale Folgen für den Wissenschaftsstandort Europa haben: Forscher werden nach China oder in die USA abwandern oder der Forschung ganz den Rücken kehren. Diese Folgen reichen nicht nur bis in die nächste Universität: Grundlagenforschung stellt nicht nur die Basis jedweder Medizinforschung dar sondern liegt aller Innovation und damit der Wirtschaftskraft und des Wohlstands dieses Kontinents zugrunde.

Wir bitten Sie im Namen der europäischen Forschungsgemeinde, sich für eine ehrgeizige Förderung von Grundlagenforschung in Europa einzusetzen und uns zu helfen, Europa als Standort wissenschaftlicher Exzellenz zu erhalten.
Anbei finden Sie unsere Vorschläge an die Kommission und das Parlament, die wir mit Hilfe mehrerer MdEPs ausgearbeitet haben. Bitte lesen Sie sie, bitte unterstützen Sie uns im Europäischen Rat. Wir haben es geschafft innerhalb eines Monats die Wissenschaftselite eines gesamten Kontinents zu mobilisieren – Wissenschaftler, die qua definitionem unpolitisch sind, ein Grund warum sie in autokratischen Systemen stets die letzten sind, die revoltieren, da sie sich nicht für die äußeren Umstände, sondern ihre Forschung interessieren. Dass sich so viele zusammengeschlossen haben und sich politisch äußern, sollte Ihnen bewusst machen, wie extrem die Situation für uns geworden ist.

Bitte setzen Sie sich für Ihre Forscher ein!

Mit freundlichen Grüßen,
Antonia Weberling und Dr. Nathalie Conrad


Antonia Weberling
3rd year PhD candidate
Department of Physiology, Development and Neuroscience
University of Cambridge

Clare College, Trinity Ln, Cambridge CB2 1TL