Alice Barbora Tumpach: Pauli Walzer nach Wien

Alice Barbora Tumpach mit WPI Direktor Norbert Julius Mauser und Fields Medaillist Pierre-Louis Lions, 9. Jan. 2026 in der französischen Botschaft anlässlich der feierlichen Signatur der Verträge zur fünften Verlängerung des „Institut CNRS Pauli“. / Foto: WPI

Mein Weg geht von Paris nach Lille nach Wien, von der reinen Mathematik zu Machine Learning und Biomedizin. Ich habe mit drei Kindern den Sprung ins Ungewisse gewagt und bereue es nicht. Dabei war das Wolfgang Pauli Institut (WPI) unermüdlich Katalysator und Unterstützung.

Wien ist anders Das Wissenschaftssystem in Österreich ist anders als in Frankreich, zB gibt FWF mehr Chancen auf Projekte, mit denen man sich selbst finanzieren kann. Dafür rauben die Abläufe immer mehr Nerven und Zeit. Mein Glück, das ich am WPI arbeiten darf: Am WPI dienen die Regeln den Wissenschaftlern und nicht umgekehrt. Ich bekomme viel Unterstützung als alleinerziehende Mutter, und genieße Freiheit, Respekt und Schutz vor einer oft feindseligen akademischen Welt.

Nicht alles Walzer Der Tanz der Mehrheit der Forscher nach dem Doktorat ist ein “Postdoc Limbo”, von einer befristeten Stelle zur nächsten. Mir geht es da relativ gut: ich habe in Lille eine unbefristete Stelle als “Maître de Conference”, und auf dieser Stelle lasse ich mich an das “Institut CNRS Pauli” nach Wien freistellen, wo mich das WPI ideal unterstützt und ich mich mit FWF Projekten finanzieren kann. So halbwegs finanzieren – Auto kann ich mir nicht leisten, und der nächste grant ist immer eine Lotterie.

Alles ist in Bewegung Mit dem massiven Einsatz von „Künstlicher Intelligenz“ ist eine Revolution im Gange auch in der Wissenschaft. Die universitäre Ausbildung und Forschung muss sich wesentlich ändern, was den traditionsverliebten Österreichern besonders schwerfällt. Ich war mein ganzes akademisches Leben in Bewegung, habe Institutionen gewechselt, habe zur reinen Mathematik auch Machine Learning dazu genommen und dank WPI auch den Schwung zu medizinischer Anwendung gemacht. Ich sehe eine Chance: Im Wettlauf um Exzellenz-Grants und Professuren haben sich Blasen gebildet, die eher auf Autoritätsargumenten, Seilschaften und more of the same beruhen. KI kann beitragen, dass diese Blasen kleiner werden und wieder eigenständige Forschung an wirklich Neuem zählt.

Alice Barbora Tumpach hat an der französischen Eliteuniversität Ecole Normale Supérieure Ulm studiert, an der Ecole Polytechnique ihr Doktorat geschrieben und ihre Karriere als sogenannte reine Mathematikerin auf dem Gebiet der unendlich dimensionalen Geometrie begonnen. Seit 2019 lebt und forscht sie am WPI in Wien im Rahmen des „Inst CNRS Pauli“.  Sie repräsentiert den offiziellen Veranstalter des Wissenschaftsballs, das Wolfgang Pauli Institute.