
Der Impuls kommt unspektakulär per E-Mail: eine universitätsweite Ausschreibung zur Komposition einer Fanfare. Die kurze Form von zwei bis drei Minuten überzeugt Piero Cinosi. „Da dachte ich mir: Okay, das kann ich vielleicht wirklich fertigstellen.“ Gerade diese Begrenzung ist entscheidend. „Normalerweise komponiere ich viele Stücke, aber beende kaum eines“, sagt der 23-Jährige, der einen Bachelor und Master im Fach Klavier in seinem Herkunftsland Italien absolviert hatte, bevor er nach Wien zog.
„Ich bin Pianist. Ich meine, ich bin auch Komponist, aber ich mache das nicht als Studium“, sagt Cinosi, der derzeit einen Master im Fach Klavier an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, kurz MUK, absolviert. „Disneyland für Musiker“, pflegt er über das breite Angebot an Wahlfächern zu sagen und besucht Kompositionskurse für Nichtkomponist: innen. Sein langjähriges Interesse an Komposition mündete schließlich in der Arbeit an der Fanfare für das Orchester-Ensemble, ebenfalls Student:innen der MUK, die den 11. Wissenschaftsball eröffnen werden.
Seinem Stück näherte sich Cinosi (links im Bild) über Bilder und Assoziationen. Eine Fanfare müsse sofort funktionieren, klar, direkt und wiedererkennbar sein, „etwas Archetypisches, wie man es aus Filmen kennt“, sagt er, der sich für eine lautstarke Eröffnung, „bisschen wie bei Star Wars“, entschied. Vom Klavier aus entwickelte er Rhythmus und Melodie improvisierend, bevor er das Material für die Blechbläser weiterdachte und im Auswahlprozess überrascht wurde. Statt einer anonymen Beurteilung anhand einer Aufnahme wurde seine Partitur unmittelbar gelesen und gespielt. „Ich denke, sie hören sich das als MP3 an, und plötzlich stehe ich vor einer echten Probe mit Orchester“, so Cinosi.
In mehreren Runden entschieden Jury und Musiker:innen gemeinsam über die Wahl, wobei das Spiel vom Blatt auch für das Ensemble anspruchsvoll ist. Das Komponieren für Blechbläser war für den Pianisten eine lehrreiche Herausforderung. „Ich kann zehn Minuten lang schnelle Passagen auf dem Klavier spielen. Für Blechbläser ist das aufgrund von Atem, Lippen und Ausdauer jedoch äußerst anspruchsvoll“, sagt er. „Ich habe sie mit meinem Stück sehr gefordert“, scherzt er.