
Jährlich leitet Florian Vana Hunderte Paare durch die vielleicht erste Quadrille in deren Leben. Doch der Profi am Parkett hat ein Vorleben im Biologielabor. Und so ist ihm nicht nur Tanz, sondern auch die Wissenschaft ein großes Anliegen.
Der riesige Kronleuchter schillert in pinkem Licht. Der Saal ist wie leergefegt. Ein seltener Anblick: In ein paar Stunden werden hier wieder jede Menge Tanz-paare übers Parkett gleiten. Unter der Regie von Florian Vana, versteht sich. Wir sitzen im Ballsaal der Tanzschule Kraml im 3. Bezirk. Vana ist der kreative Kopf dieser Institution.
Doch er ist seit 2018 nicht nur Tanzmeister des Wissenschaftsballs. 2016 tanzte er sich zum Weltmeister. 2017 folgte – ebenfalls in der Kategorie Disco Fox – der Europameister-Titel. Auch bei „Dancing Stars“ fegte er übers Parkett. Florian Vana blickt auf eine bewegte Karriere zurück – und das ist erst der Anfang. Mittlerweile fokussiert er sich aufs Unterrichten. „Erwachsene muss man beim Tanzen erst aus ihrem Kopf herausholen. Ich mache dann immer einen Witz: ‚Mir ist es egal, ob du es verstanden hast. Der Körper muss die Schrittfolge einmal erlebt haben.‘“ Zu tanzen begann Florian schon mit vier Jahren. Das wurde ihm ebenso in die Wiege gelegt wie die Wissenschaft: Die Mutter Ärztin und Tänzerin, der Großvater Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern. Wissenschaft und Tanz haben so einiges gemeinsam: „Man muss die Regeln erst einmal kennen, um sie zu brechen.“
Vana studierte Mikrobiologie und schloss das Studium fast ab. Doch die Biologie mit der Tanzkarriere zu kombinieren, war nicht leicht. Er entschied sich fürs Parkett. „Ich habe die sentimentale Hoffnung, dass ich vielleicht doch noch meinen Abschluss machen werde.“ Was ihn an der Mikrobiologie fasziniert? „Dass man durch sie Zusammenhänge versteht und sie sich trotzdem immer weiterentwickelt.“ Er könnte dem Tanzen treu bleiben, doch da ist eben auch die Wissenschaft: „Ob es jetzt der Labor-Job unter der Neonlampe wird, weiß ich nicht. Ich glaube, dass mein Charakter nicht ganz für Laborarbeit gemacht ist.“
Der Wissenschaftsball ist in vielerlei Hinsicht unkonventionell, der Tanz soll für einen Touch von Tradition sorgen. „Es ist die kleine Verbeugung vor der Wiener Tanzkultur.“ Kleine Zitate aus der Wissenschaft dürfen beim Tanz nie fehlen. „Einmal formten die Tanzenden in Anlehnung an die Mendelschen Gesetze zwei ineinander verschlungene Kreise.“ Wissenschaftskommunikation, das sieht er als Verantwortung. „Es ist wichtig, dass jemand im TV auftritt, dessen wissenschaftlichen Erläuterungen Hand und Fuß haben. Man sollte sich dafür nicht zu schade sein.“ Kindersendungen hätten ein besonderes Potenzial: „Wissenschaft weiterzugeben ist auf sämtlichen Levels sehr wichtig. Wenn man schon als Kind tanzen lernt, ist das ein ganz natürlicher Umgang mit der Sache. Das Gleiche gilt für die Wissenschaft – und gehört daher gefördert.“