
Nach dem großen Strauss-Jahr 2025 gibt es heuer keinen „Jahresregenten“. Das Programm ist damit frei von Jubiläumspflichten und lässt Entdeckungen zu. Daher setzt das Ballorchester Divertimento Viennese unter Vinzenz Praxmarer einen durchaus ungewohnten Akzent: den 2. Satz („Un bal“) aus Hector Berlioz’ Symphonie fantastique.
Ber-lioz, einer der eigenwilligsten Tondichter des 19. Jahrhunderts, erweiterte das Orchester mit analytischer, fast wissenschaftlicher Akribie. In Wien war er präsent, aber weniger umjubelt als in Paris oder Deutschland, wohl auch, weil er sich ungern anpasste. „Un bal“ spiegelt das gut wider: ein Walzer, der sich dem Ballgeschehen mit einer Offenheit nähert, die ihm überraschend gut steht. Abgesehen davon bleibt beim Ballorchester Divertimento Viennese alles wie gewohnt. Gespielt wird bis in die frühen Morgenstunden, und nach der Mitternachtseinlage folgt natürlich die Quadrille. Manche Traditionen muss man ja nicht infrage stellen.