Zerfranste Schönheiten

Foto: Rick Ligthelm (Creative Commons)

Papageientulpen bestechen durch ihre einzigartige Schönheit: Den Farben sind kaum Grenzen gesetzt, und die fransigen Blütenblätter ähneln den Federn des prächtigen und gesprächigen Vogels. Und passt so exzellent als diesjähriger Blumenschmuck zum Wissenschaftsball.

Tulpen faszinieren Menschen seit Hunderten Jahren. So ließ der Sultan Ahmed III., der im 17. Jahrhundert im Osmanischen Reich herrschte, Fliesen, Teppiche und Gemälde mit dem Motiv anfertigen. Seine Begeisterung war so groß, dass er ein Vermögen für Tulpenzwiebeln ausgab.

Auch die Papageientulpe ist eine kostspielige Angelegenheit. Will man ihre Zwiebeln kaufen, so muss man etwas tiefer in die Tasche greifen als für herkömmliche Tulpenzwiebeln. Entgegen gängiger Annahmen entstand sie nicht aus einem Virus oder einer Spontanmutation, sondern im Frankreich des 17. Jahrhunderts aus einer Kreuzung zwischen Darwin-Tulpen – sie zeichnen sich durch kräftige Farben und große Blütenblätter aus – und spätblühenden Tulpen. Mit Charles Darwin haben die Darwin-Tulpen allerdings nicht direkt zu tun – sie verdanken ihm aber ihren Namen.

„Pflanzen als Studienobjekte haben einen taktischen Vorteil, wenn man zu Biodiversität forscht – sie können nämlich nicht weglaufen.“ Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Michael Kiehn mit ihnen. „Ohne Pflanzen kein Leben. An ihnen kann man Phänomene der Evolution erforschen“, bekräftigt er. Kiehn ist emeritierter Professor für Botanik und leitete viele Jahre den Botanischen Garten in Wien.

Auch über Botanik kursiert mittlerweile jede Menge Halbwissen. Gezielte Information ist das wirksamste Gegenmittel, sagt Kiehn: „Wir haben in den letzten Jahren eine sehr heftige Diskussion über nicht heimische Arten erlebt. Diese inhärente Fremdenfeindlichkeit wird politisch genutzt.“ Und weiter: „Es gibt viele Pflanzen, die nicht heimisch sind und hervorragende Nahrungsquellen für Blütenbesucher und nicht invasiv sind. Auf Gartenseiten findet man nichts dazu – und das ist ein Problem. Hier spielen emotionale Dinge eine Rolle: Kein Mensch denkt bei Tulpen, dass es sich um eine nicht heimische Art handelt.“ Fest steht: Auch heute haben die Tulpen nichts an ihrer Faszinationskraft eingebüßt.

Text: Flora Neubert