
Wissenschaft ist keine Insel der Gewissheit. Sie ist ein öffentlicher Raum des Suchens, Zweifelns und gemeinsamen Lernens. In Zeiten der Klimakrise wird sichtbar, wie sehr unsere Zukunft davon abhängt, ob wir Wissen nicht nur produzieren, sondern auch teilen können – mit Empathie, mit Mut zur Ambivalenz und mit Hoffnung auf demokratische Lösungen.
Als Forscherin interessiert mich, wie Emotionen unsere Demokratie prägen: wie Empörung, Angst oder Hoffnung die politischen Entscheidungen von Bürger:innen formen – von jenen, die wählen, und jenen, die auf andere Weise politisch teilhaben. Dabei analysiere ich, wie Wissenschaft diese Emotionen nicht verdrängen, sondern verstehen kann. Denn nur so gelingt es, Brücken zu bauen. Wir müssen Fakten und Werte, Expertise und Alltag, Erkenntnis und Verantwortung miteinander verknüpfen.
Der Wissenschaftsball steht für dieses Miteinander: für eine Gesellschaft, in der Wissen nicht elitär, sondern verbindend ist. Er erinnert uns daran, dass die Verteidigung der Werte der Aufklärung nur gelingt, wenn wir erkennen, dass sie untrennbar mit Solidarität, Anerkennung und Empathie verbunden sind.
Anna Durnová ist Professorin für Politische Soziologie an der Universität Wien und Faculty Fellow am Yale University Center for Cultural Sociology. Sie habilitierte sich an Sciences Po Paris. Durnová, aus Brno gebürtig, ist als Mitglied des Editorial Board der Zeitschrift Policy & Politics und Critical Policy Studies tätig. Ihre Forschung fokussiert sich auf die Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Aktuell koordiniert Durnová das internationale Horizon-Europe-Projekt CIDAPE und das ERC Advanced Grant LONERS.